Warum fasten wir und du siehst es nicht?

Jes 58,1-10

Rufe aus voller Kehle, halte dich nicht zurück! Erhebe deine Stimme wie ein Widderhorn! Halt meinem Volk seine Vergehen vor und dem Haus Jakob seine Sünden! Sie suchen mich Tag für Tag und haben daran Gefallen, meine Wege zu erkennen. Wie eine Nation, die Gerechtigkeit übt und vom Recht ihres Gottes nicht ablässt, so fordern sie von mir gerechte Entscheide und haben an Gottes Nähe Gefallen. Warum fasten wir und du siehst es nicht? Warum haben wir uns gedemütigt und du weißt es nicht? Seht, an euren Fasttagen macht ihr Geschäfte und alle eure Arbeiter treibt ihr an. Seht, ihr fastet und es gibt Streit und Zank und ihr schlagt zu mit roher Gewalt. So wie ihr jetzt fastet, verschafft ihr eurer Stimme droben kein Gehör. Ist das ein Fasten, wie ich es wünsche, ein Tag, an dem sich der Mensch demütigt: wenn man den Kopf hängen lässt wie eine Binse, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten und einen Tag, der dem HERRN gefällt? Ist nicht das ein Fasten, wie ich es wünsche: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, Unterdrückte freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen? Bedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen, obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deiner Verwandtschaft nicht zu entziehen? Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot und deine Heilung wird schnell gedeihen. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des HERRN folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der HERR dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich. Wenn du Unterjochung aus deiner Mitte entfernst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemandem übel nachredest, den Hungrigen stärkst und den Gebeugten satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.

 

Betrachtunsimpulse:

Wir können mit unserem Fasten nichts von Gott erleisten. So im Sinne von : „Wir üben Askese und deshalb, Gott, musst du uns Wohlergehen/Gesundheit/… schenken.“ Eine solche Art von Fasten, eine solche Art des Glaubens hat nichts mit dem zutun, wozu das Fasten führen will. Nämlich zu einem Umdenken, einer Hinkehr zu einem Leben in der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen. Zu einem Leben des Mitgefühls und des Da-Seins. Dem kann ein soziale Einsatz näherkommen als irgend ein Verzicht auf einen Leckerbissen. Ein solches Fasten führt zu sozialem Wandel. Ein solches Fasten führt uns ganz nah zu den Menschen. Und in ihnen wohnt Gott.

* Warum fastest du? Was sind deine Ziele?

* Welchen sozialen Wandel wünschst du dir? Male dir deine Idee vom sozialen Wandel sehr konkret aus. Was kannst du dazu tun?

* Suche dir eine Tat aus, aus den Vorschlägen des Textes was ein Gott wohlgefälliges Fasten ist, und versuche es nach deinen Möglichkeiten umzusetzen.